Eine Kritik der Privatisierung der Ufer

Um es vorwegzuschicken, mich interessiert die Rechtslage zum Thema nicht. Mich interessiert allein die Tatsache, ob ich als Mensch und Erholung suchender in der Lage bin, an Ufern zu stehen und den Blick schweifen zu lassen über einen See oder einen Fluss, mich an der Schönheit oder Erhabenheit solcher Blicke und Momente zu erfreuen und achtsam mit ihnen umgehen zu können. Ich will solche Momente an Gewässern erleben, ich habe als Mensch ein tiefes Bedürfnis die Natur zu erleben und dazu gehören auch die Ufer und Uferzonen an den Gewässern, die unser Land und alle Länder zu bieten haben. Wie die Erde uns allen gehört sollte die Ufer uns allen offen stehen.

Überhaupt soll ja das Recht den Menschen dienen, also allen Menschen zu Diensten sein, ganz gleich ob klein oder groß, arm oder reich, weiß oder farbig, egal welchen Geschlechts, einfach allen. Und jedes Recht, das anders ist, kann in meiner Moralvorstellung nicht als gutes Recht gelten. Erst recht, da das Recht ein vom Menschen erfundenes institutionalisiertes Konstrukt ist, das allein auf der Annahme beruht, dass man an es glaubt. Würde niemand das Recht akzeptieren, hätten wir Anarchie. Oder es hätte sich von vornherein nie ein Recht als Institution durchgesetzt (siehe Harari, Eine kurze Geschichte der Menscheit).

Doch zurück zu Frage des freien Zugangs zu den Ufern unserer Gewässer. Leider sind nicht an allen Seen dieser Welt die Ufer frei zugänglich. Wie zu sehen am Wandlitzsee nördlich von Berlin, zwischen Bernau und Oranienburg gelegen. Es lädt ein Rundwanderweg um den See zum Wandern ein, immerhin. Und gleichzeitig ist das die Täuschung schlechthin. Der Begriff „Rundwanderweg um den Wandlitzsee“ verspricht ja nur, dass es einen Wanderwegs gibt, auf dem man den See umrunden kann. Und doch dürften sich naturverliebte Wanderer schon erhoffen, den ein oder anderen Blick auf den See erheischen zu können, denn es ist vom Wandlitzsee als solchem ja auch die Rede.

Wie dem auch sei, der traurige Fakt ist auch, dass es auf den knapp 9 (oder sind es doch 10) Kilometern Rundwanderweg an freien Seeblicken auf jeden Fall mangelt. Fast das ganze Ufer ist durch private Seegrundstücke belegt, allenfalls ein paar hundert Meter in der Nähe des Strandbades von Wandlitz und hin und wieder ein kleiner Flecken (ich erinnere 2!) entlang der Route zwischen Strandbad Wandlitz bis zur Thälmannstraße im Norden waren bis zum Ufer des Sees für den erholungssuchenden Wanderer begehbar. Weiter im Nord- und Westteil der Route verläuft diese gar komplett abseits des Sees. Selbst im ursprünglich den Ortsnamen gebenden Dorf Wandlitz verläuft der Wanderwegs nicht an den Uferbereichen entlang, die vermutlich seit langem und sehr historisch in privater Hand sind.

Alles in allem ein Rundweg der Gut zu laufen ist, den See aber allenfalls zu einem Orientierungsattribut degradiert, mit dem klar gemacht werden kann, um welchen See man latscht, den man dann ohnehin kaum zu Gesicht bekommt.

Dass es auch anders geht, kann man in Strausberg sehen und erleben. Strausberg liegt, wie (vielleicht) allgemein bekannt, am Straussee. Dabei Zieht sich die Stadt Strausberg sehr in die länge, quasi entlang des östlichen Ufers des langgezogenen Sees. Das westliche Ufer dagegen ist bewaldet. Nun könnte man ja meinen, dass auch hier zumindest im in der Ortslage liegenden Teil des Ufers die Grundstücke bis an den See reichen. Das mag sogar so sein. Ich weiß es nicht. Was ich weiß und mit Freude erleben durfte, war, dass selbst der ausgewiesene Teil des Wanderwegs von der Südspitze des Straussees bis zum Fichteplatz in Strausberg stets entlang des Sees führte und frei zugänglich war.

Oh, Ihr Strausberger! Freut euch ob Eurer Weitsichtigkeit und Konsequenz im Sinne der Erholungssuchenden. Ich bin stolz ein Strausberger zu sein!

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.