Urlaub 2022 // Tag 2 // 29. August

Unsere zauberhaften Kinder haben sich entschlossen einen Chill-Tag einzuschieben und den Eltern einen kinderfreien Ausflugstag zu gönnen. Wir fokussieren uns daher auf die East Side Gallery in Berlin und einen Besuch im Mauer Museum.

Die Anreise zum Ausflugsziel

Blieb die Frage nach dem „Wie kommen wir dorthin?“ … Denn in Berlin kann man ja ganz wunderbar mit den Öffentlichen von A nach B gelangen. Die Nutzung des Autos ginge auch.
Auf unserem gestrigen Spaziergang durch Wandlitz haben wir am Bahnhof Wandlitzsee schon mal gecheckt, ob wir dort ein 9-€-Ticket erwerben könnten. Doch weit gefehlt, am Bahnhof Wandlitzsee ist der Erwerb eines solchen Tickets nicht möglich. Es wird auf den eventuellen Schaffner oder den Automaten im Zug verwiesen.

Die Nutzung der VBB-App als Ticket-Erwerbs- und -Verwaltungsort hätte mich ja eher nicht gestört, man kann dort aber jeweils nur sein eigenes 9-€-Ticket erwerben. Das einer zweiten Person in derselben App zu verwalten geht nicht. Somit bestand also die faktische Notwendigkeit, dass meine Holde ihrerseits die App installiert und dort Zahlungswege hinterlegt, um sich ggf. ein eigenes 9-€-Ticket zu kaufen. Da nun aber die Nutzung dieser App durch meine liebe Gattin vermutlich auf die wenigen Tage unseres diesjährigen Urlaubs beschränkt bliebe, erschien der damit verbundene administrative Aufwand zu hoch.

Ergo mussten wir anderweitig an ein 9-€-Ticket kommen oder doch mit dem Auto fahren.

Die RB27 fährt nicht immer durch Wandlitzsee. Manchmal zweigt die Regionalbahn von Berlin-Karow kommend hinter Basdorf woandershin ab. Dieses Wissen ließ mich vermuten, dass der Bahnhof Basdorf in seiner Wichtigkeit einen höheren Stellenwert einnimmt als der Haltepunkt Wandlitzsee. Daher, so dachte ich, sollte in Basdorf ein Fahrkartenautomat verfügbar sein. Also ab nach Basdorf, mit dem Auto. Immerhin war ich sicher, dort gibt es einen regulären Park-&-Ride-Parkplatz.

Nun, was soll ich sagen. Meine Annahme, Basdorf würde über einen Fahrscheinautomaten verfügen, war korrekt. Ich war stolz wie Bolle ob meines messerscharfen Anzipationsvermögens.
Doch die normative Kraft des faktischen Technologie-Standortes Basdorf ließ meinen Stolz in der Luft zerschellen. Der vorhandene Fahrscheinautomat war schlicht außer Betrieb, einfach so, ohne jeden Hinweis er sei außer Betrieb, er war einfach gar nicht an. Stand nur blöd rum und hat Platz gebraucht für sich, ohne irgendeinem armen Reisenden auch nur den kleinsten Nutzen zu stiften.

Nun standen wir zwei Beiden also bedröppelt da und mussten uns entscheiden, wie wir nun weiterkommen. Umkehren war keine Alternative. Vorausgesetzt die Technik hätte nutzbringend funktioniert wären wir ja auf dem tugendhaften Weg gewesen. Also rein in den Zug und bis nach Berlin-Karow ohne gültigen Fahrschein gefahren, verbunden mit dem festen Vorsatz, unsere Schwarzfahrerei nachträglich durch den Erwerb eines 9-€-Tickets in Karow zu heilen.

In Karow gab es einen Fahrscheinautomaten, der sogar fehlerfrei funktionierte. Soweit so gut. Das nächste Problem entsprang der analogen Fahrschein-Gültigmachungsprozedur. Wer trägt in Zeiten des allverfügbaren Internets und der Smartphonerie noch schreibende Stifte mit sich herum, ich jedenfalls nicht! Ein an einem Fahrscheinatomaten erworbenes analoges Ticket muss aber ausgefüllt werden mit dem Namen des diesen Fahrschein Besitzenden. Ja das hätten wir wissen können, nein, wir wussten es sogar. Aber ich habe trotzdem keine Schreiber in meinem Urlaubsausflugsgepäck.

Zu unserem Glück ist Karow eben eine hinreichend häufig genutzte S-Bahn-Station mit angeschlossenen Regionalbahnverkehr (zwar nur eine Linie, aber immerhin) und verfügt wohl genau wegen des hinreichenden Nutzungsgrades unmittelbar auf dem Bahnhofsvorplatz über einen REWE Markt. Und dort gibt es auch ein kleines Sortiment Büro-Artikel. Natürlich gab es keine Artikel mit genau einen Stück schreibendem Stift drin, die kleinste Stift-Packungsgröße war 4. Wir haben jetzt 4 neue Kugelschreiber 🖊🖊🖊🖊
Unserer Anreise zur East Side Gallery stand nun endlich nichts mehr im Wege.

[ Einwurf: Während es bis hier hin recht lustig anmutet, wird es jetzt doch ernsthafter. ]

Die East Side Gallery

Ich muss zugeben, ich war zuvor skeptisch, ob das Ziel einen Besuch wert ist. Graffiti gibts an allen Ecken, warum also extra so tun, als wäre es was Besonderes. Jetzt, nachdem ich es gesehen hatte, sage ich, schaut es Euch an! Es sind dort wirklich Kunstwerke entstanden. Öffentliche zugängliche Kunst im urbanen Raum, und mit Tiefgang und erkennbaren Haltungen. Mir gefällt Unterhaltung, wenn sie Haltung erkennen lässt.

HIER NOCH EIN PAAR SCHNAPPSCHÜSSE ALS GALERIE EINFÜGEN – DAS MACHE ICH NOCH 😉 UND DANN KOMMEN VIELLEICHT NOCH EIN PAAR GEDANKEN DAZU

Die Rückseite der für die East Side Gallery ist übrigens gefüllt mit Graffiti wie man es allenthalben in großen Städten dieser Welt sehen kann. Oder sie ist (wieder? noch?) weiß.

Das Mauer Museum

Das Mauer Museum ist so klein, dass man es schon eng nennen muss. Aber vielleicht ist das ja schon wieder Konzept: die Verdichtung, Verengung, das Narrativ?
Die gesamte Geschichte der Berliner Mauer wird versucht in den geschichtlichen Kontext zu stellen, das gelingt ob der starken Verkürzung in meiner sehr subjektiven Wahrnehmung mal eben gerade so. Vielleicht bin ich aber auch objektiv ungerecht?

Immerhin ist die Einbettung in den historischen Rahmen vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Mauerbau vorhanden. Der Bau der Mauer wird nicht als ohne Vorgeschichte existierendes historischen Ereignis dargestellt. Die kritische Auseinandersetzung mit den Folgen des Mauerbaus für die Menschen der Zeit kommt nicht zu kurz, persönliche Schicksale werden erzählt und bleiben im Kontext. Der reale Irrsinn des Kalten Krieges als großer Bruder der Mauer bleibt nicht unerwähnt. Auch nicht, dass die Welt 1983 kurz vor dem Abgrund eines Atomkrieges stand, und auch nicht, dass es neben den Mauertoten viele Hunderte anderer Opfer des Kalten Krieges in der Welt gab. Doch, ich gebe zu, der Gesamtkontext ist nicht auf ein zu kleines Minimum verkürzt. Auch nicht der Fall der Mauer 1989.

Und doch hätte ich es mir ausführlicher gewünscht, weil ich glaube, dass Besucher ohne einen Grundstock an solidem Vorwissen über die Zeit (seit dem Zweiten Weltkrieg), die Umstände und die großen historischen Zusammenhänge, den Gesamtzusammenhang vielleicht nicht hinreichend erkennen. Und dann wäre es eben doch zu sehr verdichtet. Aber das ist meine subjektive Empfindung.

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